Mittwoch, 26. Februar 2020

Brisbane – geschäftig, relaxed und ein bisschen Sinn für Geschichte


Ankommen - "Wool Stores" und "Submariners´ Walk Heritage Trail“


Brisbane wird viel für seine Lebensqualität gelobt. Die Hauptstadt von Queensland bietet seinen über zwei Millionen Einwohner und zahlreichen Besuchern vibrierende Geschäftsstraßen, wichtige Finanzplätze, fortschrittliche Wissenschafts- und Technologiezentren, moderne Museen, schicke Trendlokale, großzügige Freizeiteinrichtungen und grüne Oasen. Und ist die Metropole nicht gerade von immer wieder auftretenden heftigen Regenfällen und massiven Überschwemmungen betroffen, dann bestimmen Sonnenschein und gemäßigt tropische Temperaturen das Wetter.

Brisbane - South Bank 2011 Zerstörungen durch Überschwemmung
Brisbane - South Bank 2011

Wir hatten bei unserer Australienumrundung 1911 Brisbane besucht. Damals waren die Spuren der verheerenden Überschwemmung im Januar noch überall sichtbar. Selbst auf den Hügeln hatten die Leute ihre Möbel zum Trocknen ins Freie gebracht, der Schiffsverkehr war zum Erliegen gekommen, ufernahe Zonen waren nicht betretbar, die gerühmte Freizeitlandschaft der „South Bank“ war verwüstet, kulturelle Einrichtungen geschlossen. So haben wir die Stadt Richtung Norden schnell wieder verlassen.

Wir waren also gespannt, wie sich uns die Stadt diesmal präsentieren würde. Bei der Ankunft vor vier Wochen auf dem internationalen Flughafen von Brisbane waren wir sofort nach New Brighton gefahren, ohne uns umzusehen. Jetzt am Ende unseres Aufenthaltes hatten wir ein Wochenende für den Besuch eingeplant.
Die Fahrt von New Brighton nach Brisbane mit dem Pkw geht relativ schnell, ca. ein und eine halbe Stunde. Unterwegs legten wir einen Stop bei dem „Yatala Pie Shop“ ein. Diese „Location“ gilt als eine „Ikone“ Queenslands, ist „uralt“ (besteht seit 1914!) und preisgekrönt. Dass die Pie-Station berühmt ist, merkten wir an den vielen Autos auf dem Parkplatz und der Schlange vor der Theke. Man muss dazu wissen, dass die Australier Pie-Fans sind. Ich bestellte einen „Curry Steak-Pie“. Das runde, mit einem würzigen Steak gefüllte Pasteten-Gebäck war groß und schmeckte zusammen mit einem Bier vorzüglich.

Ansicht Yatala Pies Station
Yatala Pies Station
Yatala Pies - Schlange vor der Theke
Warten auf die Pies

In Brisbane hatten wir in einer Vorstadt ein Apartment gebucht. Das Viertel, in dem das Apartment fanden, trägt den klangvollen Namen „Teneriffe“. Es zieht sich am Ufer des Brisbane Rivers entlang. Brisbane liegt rechts und links an den stark gewundenen Schleifen des Flusses, die vorspringende Halbinseln bilden. Auf ihnen befinden sich die wichtigsten Teile des Stadtgebietes. Der River mündet nicht weit von den Zentren ins Meer. 

Brisbane Flussverlauf und Stadtplan
Karte Brisbane - Der rote Pfeil oben zeigt auf die Fährenanlegestation "Teneriffe"

Das Apartment ist Bestandteil eines langgestreckten und hohen roten Ziegelstein-Gebäudes. Unter dem Dach lesen wir die Aufschrift „Wool Store“ und das Datum der Errichtung „1933“. Rechts und links liegen ebensolche Gebäude. Es handelt sich um ehemalige Lagerstätten für Schafwolle und Schaffleisch, Produkte, die aus dem landwirtschaftlich geprägten Hinterland von Brisbane kamen. Sie wurden hier verarbeitet und dann nach England und Asien exportiert. Der Agrarhandel bildete lange Zeit das wirtschaftliche Rückgrat Brisbanes und ist auch heute noch von Bedeutung. Aus den ehemaligen Lagerstätten sind heute elegante Apartmentwohnungen geworden.
Wir beziehen die exquisit eingerichtete Wohnung, die offenbar von einem älteren Paar bewohnt und zeitweilig vermietet wird. An den privaten Fotos und Sammlerobjekten aus aller Welt sehen wir, dass das Paar viel reist.


Brisbane-Teneriffe Wool Store Apartments Aussenfront
Brisbane-Teneriffe: Wool Store Apartments
 
Brisbane-Teneriffe Woolstore Apartments Rauminnenansicht
Innenansicht eines Apartmentraumes

Nachdem wir uns eingerichtet haben, wollen wir uns in der Gegend umsehen. Wir gehen die wenigen Schritte zum Flussufer hinunter, wo uns ein Aussichts-Café, ein Platz und eine Uferpromenade erwarten. Auf Tafeln lesen wir, dass es sich hier um einen Ort mit „historischer“ Bedeutung handelt.
Von Beginn des 20. Jahrhunderts an bis in die 70-ziger Jahre waren Wollmanufaktur und Wollhandel hier am Flussufer zentriert, wo die Produkte auf Schiffe verladen werden konnten. Das flache kleine Häuschen, in dem jetzt das Café untergebracht ist, beherbergte ehemals die Kompressoren für die Kühlräume in den Wool Stores, die für das Einfrieren und die Lagerung des Fleisches und der Wolle benötigt wurden.
Im zweiten Weltkrieg, ab 1942, lagen in der „Capricorn Wharf“ Unterseeboote der Amerikaner, die 1945 abzogen. Sie waren hier außerhalb der Reichweite japanischer Flieger. (Die Stationierung amerikanischer Truppen in Brisbane unter General Douglas MacArthur wurde anfänglich begrüßt, führte aber auch zu heftigen Konflikten. Letzten Endes hat das Bündnis mit den Amerikanern Australien vor der japanischen Invasion bewahrt.)
1982 nahm die australische Navy den Hafen und die Docks für ihre Unterseeboote in Beschlag, was inzwischen aber aufgegeben wurde. Der „Engine Room“ wurde in den Militärzeiten zur Versorgung der Truppen mit Gefriergütern benutzt.
Man hat 2013 den Platz und einen Teil der Uferpromenade als Gedenkstätte für die australischen U-Boote im ersten und zweiten Weltkrieg, aber auch für die amerikanische U-Bootflotte gestaltet. Eine Inschrift in großen Lettern weist darauf hin: „Submariners´ Walk Heritage Trail“. Auf Tafeln kann man über die U-Boote und das Schicksal ihrer Mannschaften lesen. So wird auf einer Tafel die Geschichte des australischen U-Bootes HMAS AE2 erzählt, das im ersten Weltkrieg mit unglaublicher Geschicklichkeit die Minenfelder des Marmara-Meeres durchfuhr und die Landung der australischen und neuseeländischen Truppen im türkischen Gallipoli unterstützte. Wir fanden ein rührendes Gebet -„Submariners´s Prayer“- auf einer Gedenktafel für die 1943 auf dem Weg nach Brisbane wohl von japanischen Zerstörern versenkte US Triton SS 201 mit 74 Opfern, nachdem sie selbst zahlreiche gegnerische Fracht- und Kriegsschiffe versenkt hatte. Von den in Teneriffe stationierten amerikanischen Unterseebooten kehrten fünf nicht mehr zurück. Auf einer der in U-Boot-Form gestalteten Bänke sitzend kann man über den Fluss blicken und über Sinn und Unsinn von Kriegen nachdenken.


Brisbane-Teneriffe-Blick-auf Submariners-Heritage-Trail
Brisbane-Teneriffe: Blick auf U-Boot-Gedenkstätte "Submariners´ Heritage Trail"

Amerikanische U-Boote in der Capricorn Wharf
Brisbane-Teneriffe: amerikanisches U-Boote im Zweiten Weltkrieg in der Capricorn Wharf
Brisbane-Teneriffe: Tafel zu HMAS AE2
Tafel zu HMAS AE2 - Das australische U-Boot unterstützte die australisch-neuseeländischen ANZAC-Truppen vor Gallipoli (Türkei) im Ersten Weltkrieg
Tafel zu USS Triton und Gebet der U-Boot-Mannschaft
Brisbane-Teneriffe: Tafel zu USS Triton mit Submariners´ Prayer
Brisbane-Teneriffe-ehemaliger-Engine-Room
"Engine Room"-Café
 

Etwas anderes noch zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Auf Steinen sonnen sich 30 bis 40 cm lange, braun-grün gefärbte Echsen, mit dunklen Streifen und Rückenkamm, die uns ohne Scheu mustern. Sie wirken wie kleine Drachen. Tatsächlich heißen sie „Eastern Water DRAGON“, mit der deutschen Bezeichnung „(Östliche) Australische Wasseragame“. Wir haben  die Tiere im botanischen Garten und in anderen Grünflächen der Stadt wiedergefunden.

Eastern Water Dragon
"Mini-Drache": Eastern Water Dragon

 

Ein „Australian Football-Abend“


Unser australischer Freund wollte unbedingt das Endspiel der „Australian Football League“ der diesjährigen Saison sehen. Es fand am 29. September in Melbourne statt. Es standen sich die Mannschaften des „Richmond Football Clubs“ (genannt: „The Tigers“) und der „Greater Western Sidney Giants“ gegenüber. Die „Tigers“ siegten mit hohem Punktvorsprung.
Wir machten uns von unserem Apartment aus zu Fuß auf den Weg durch den „New Farm“-Stadtteil, in dem das Uferviertel „Teneriffe“ liegt. Zuerst mussten wir einen mit modernen Häusern überbauten Hügel überwinden. Oben kamen wir an einem Park vorbei, dem „Teneriffe Park“, an dessen Rand uns gewaltige Bäume mit dicken Luftwurzeln auffielen. Es sind wohl Banyan-Bäume. Dann ging es Straßen hinunter, die von typischen Brisbane-Queensland-Häusern gesäumt werden („Queenslander“ genannt), meist aus Holz, mit Veranda und auf Stelzen. Vor uns sehen wir die Skyline des Zentrums. Schließlich kommen wir in einer Gegend an, in der sich Lokale häufen. Unser Australier steuert auf ein historisches Hotel zu, in dessen Untergeschoss sich ein großes Pub befindet.

Baum im Teneriffe Park
Baum im dunklen Teneriffe Park
Straße in Brisbane-New Farm
Straße in Brisbane New Farm - Hinweg zum Lokal
Queenslander-Häuser in New Farm
Queenslander-Häuser in New Farm
Das "Brunswick Hotel" in Brisbane-New Farm ( Bild: www.thebrunswickhotel.com.au)
Brunswick Hotel - Innenansicht
Brunswick Hotel - Innenansicht (Bildquelle: wie oben)
Brunswick Hotel - Speisekarte
Ziemlich viel Auswahl - die Speisekarte des Brunswick Hotel
Richmond Tigers vs. GWS Giants -Spielszene
Richmond Tigers vs. GWS Giants

Der langgestreckte Vorraum ist gut gefüllt mit Menschen, die mit dem Bierglas in der Hand stehen oder am Tresen sitzen. Wir bahnen uns den Weg zu einer weiträumigen Halle, in der das Spiel auf eine große Projektionsfläche übertragen wird. Die Halle ist propevoll. Wir finden ein Stehtischchen, das zwar als reserviert markiert ist, an dem aber noch niemand steht. Wir stellen uns einfach an das Tischchen. Ich hole für uns Bier an der Theke. Um uns Zuschauer in kleinen Gruppen, die lautstark das Spiel kommentieren, das schon begonnen hat. Hier erleben wir, mit welcher Anteilnahme Australier die bedeutenden „Footie“-Spiele mitverfolgen. Ich habe mich bei früheren Anlässen mit den Spielregeln befasst und kann das Spiel einigermaßen verstehen. Ich möchte hier ein wenig den Ablauf erklären.
„Australian Football“ ist neben Crickett Nationalsport in Australien. Die 1858 „erfundene“ Mischung zwischen einer gälischen Fußballart, Crickett und einem indigenen Ballspiel erscheint dem Unkundigen wie eine wilde Rennerei mit dem Ball und heftige Rauferei um den Ball. Tatsächlich verläuft das Spiel aber nach klaren und strengen Regeln. Blickt man einmal durch, dann entpuppt sich das Geschehen als ein sehr schnelles, abwechslungsreiches und spannendes Spiel. Vom deutschen Fußball unterscheidet es sich auf den ersten Blick dadurch, dass es auf einem ovalen Spielfeld mit vier vertikalen Stangen als jeweilige Torpfosten gespielt wird. Neben Kicken sind Faustabschläge, Ballschläge mit der offenen Hand und Prellen des (ovalen) Balles erlaubt. Gegenspieler dürfen den ballführenden Spieler nach bestimmten Regeln fassen oder stoßen. 18 Spieler sind aktiv auf dem Feld, einen Torwart gibt es nicht. Das von mehreren Schiedsrichtern überwachte Spiel hat zum Ziel, durch Schüsse zwischen die Torpfosten zu punkten.
Das Spiel zieht sich hin. Ein Australian Football-Spiel hat viele regelbedingte Pausen und eine festgelegte Spielzeit gibt es nicht. Wir bekommen Hunger, denn wir haben heute Abend noch nichts gegessen. Wir suchen die ruhige Lounch nebenan auf, in dem das Spiel auf kleinen Bildschirmen flimmert. Die Tische sind erst für das Spielende reserviert, so können wir Platz nehmen und Essen bestellen. Ich ordere für Dagmar und mich an einer Theke Rumpsteaks (siehe Speisekarte) mit Beilagen, die anderen begnügen sich mit irgendwelchen Häppchen.
Während wir auf das Essen warten, fallen uns an den gegenüberliegenden Tischen Männer und Frauen in deutschen Trachten auf. Ich gehe zu ihnen hinüber und frage, ob ich sie fotografieren darf. Sie bejahen und setzen sich freundlich lächelnd in Positur. Es sind Australier, die „zum Spaß“ deutsche Trachten tragen, wenn sie in dieses Lokal mit einem an Deutschland erinnernden Namen kommen.
Wie fast immer in Australien ist das Rindfleisch von vorzüglicher Qualität, zart und saftig. Als sich der Sieg der von unserem Australier favorisierten „Tigers“ deutlich abzeichnet, verlassen wir das Lokal und machen uns auf den Heimweg, nicht ohne immer wieder auf die beleuchtete Skyline Brisbanes zurückzublicken.

 
Brunswick Hotel Rump Steak
Lecker! - So kam das "Graziers Rump Steak" im Brunswick Hotel auf den Tisch

Australierinnen in deutscher Tracht
Trachtengruppe mit guter Laune
Drei Australier in deutscher Tracht
Auch die Männer freuen sich über die Beachtung
 
Auf dem Rückweg - Im Hintergrund die erleuchtete Skyline

 

Erste Erkundungen der Stadt - "City Botanical Gardens"


Am nächsten Tag war eine Stadtbesichtigung angesagt. Wir laufen den parkähnlich gestalten Promenadenweg am Fluss entlang bis zur nächsten Anlegestelle der City-Cat-Fähren, die einen großen Teil des Brisbaner Verkehrs abwickeln. Ein moderner Motor-Katamaran nimmt uns auf und wir erleben eine aussichtsreiche Fahrt Richtung Stadtzentrum. Nachdem wir die „New Farm“-Halbinsel umfahren haben, passieren wir die markante „Story Bridge“, die man (geführt) besteigen kann. Sie verbindet seit 1940 die Spitze der „Kangoroo Point“-Halbinsel mit dem Zentrum. Vor uns liegen die Hochhäuser des CBD (Brisbane Central Business District). Aus der Front ragt das stylische „Riverside Centre“ heraus. Neben den modernen Hochhäusern wirkt das im viktorianischen Stil errichtete ehemalige Zollhaus (Customs House) zwar prächtig, aber anachronistisch. Hier wird ein Unterschied von Geschäftsverständnis, Lebensgefühl und Bauweise von mehr als 100 Jahren deutlich. Das sieht man öfters in der CBD: im Gesamtbild winzig wirkende historische Gebäude, eingezwängt zwischen Riesen-Wolkenkratzern.
Heute fahren wir an dem Center und seinen Terrassen mit eleganten Cafés und Restaurants vorbei. Ein andermal stiegen wir hier aus, um in die Innenstadt mit seinen Geschäftsstraßen zu gelangen (man kommt gleich auf die geschäftige Queen Street). Dabei versäumten wir nicht die avantgardistische Eingangshalle des preisgekrönten Bürohochhauses zu betreten und einen Kaffee im „Food Court“ zu uns zu nehmen. 

 Bildergalerie New Farm/Teneriffe-Uferweg und City-Fähren-Fahrt Richtung CBD

New Farm/Teneriffe Uferweg Schild
Teneriffe Uferweg Schafskulpturen
Die witzigen Schaffiguren erinnern an die "Woll-Vergangenheit" der Gebäude an der Uferfront
Teneriffe Uferfront Wool Store
Brisbane CityCat
Der CityCat landet an
Brisbane Fahrt auf CityCatHawthorne Uferblick
Uferblick auf die New-Farm-Seite
Altes Segelboot am Ufer
Brsisbane Story Bridge
Story Bridge
Brisbane Hochhäuser am Riverside Centre
Hochhäuser am Riverside Centre
Brisbane Custom House
Custom House
Riverside Centre (Bild: wiki media commons/www.flickr.com/photos/shebalso/26120104971/)
Riverside Centre (Bild: wiki media commons/www.flickr.com/photos/shebalso/26120104971/)


Zum Vergleich: So sah die Stadt in der Blickrichtung zum heutigen Riverside Centre 1880 aus. Wo das große Segelschiff  seine Bahn zieht, überspannt heute die Story Bridge den Fluss. Die Halbinsel links ist Kangaroo Point mit einem Mühlenkomplex. Das prominente Gebäude in der Bildmitte links ist das Parliament House. Das Bild wurde von dem englisch-australischen Maler J.A.Clark  zur "Melbourne International Exhibition" 1880 im Auftrag der Regierung Queenlands gemalt, um den Fortschritt in der Kolonie zu zeigen. (Das Bild hängt in der "Queensland Art Gallery", Brisbane). Schon damals präsentierte das Panorama den wirtschaftlichen Aufschwung und "moderne" Architektur.

j-a-clark-brisbane-panorama-1880
Brisbane River: Kookabura Queen
Ein alter Radschaufler: "Kookabura Queen"
Brisbane Riverside Centre Hochhäuser
Eines der stylischen Hochhäuser am Riverside Centre
Brisbane Fährenanlegestelle Eagle Street
Fährenanlegestelle Eagle Street
Brisbane River Skyline Riverside Centre
Rückblick vom Schiff auf Riverside Centre

Brisbane Kangaroo Point Cliffs
Felsenufer (Cliffs) am Kangaroo Point

Brisbane: Technische Universität
Wieder auf Land:Technische Universität (QUT)

„City Botanical Gardens“ – geschichtliches Denkmal und Ort der Erholung

Brisbane Regenwald in den City Botanic Gardens
Regenwald in den City Botanic Gardens

Nachdem wir die Spitze der Halbinsel umrundet haben, auf der der CBD liegt, verlassen wir die „Ferry“ am „QUT Gardens Point“. Unter den hässlichen Stützen der Straßenführung des „Riverside Expressway“ hindurch wandern wir dann durch die Betonklotz-Gebäude der „Queensland University of Technology“ (QUT), um zu den „City Botanic Gardens“ zu gelangen. Dort eröffnet sich uns ein Blick auf weite baumbestandene grüne Flächen. Wenige Menschen flanieren auf den Wegen oder haben sich auf den Rasenflächen gelagert. Wir bestaunen für uns exotisch wirkende Pflanzen, Palmen, Farnbaumartige, Banyan-Bäume, Feigenarten, Koniferen, Bambusrohre, Blütenbüsche, beobachten umherstolzierende Ibisse oder andere Vögel auf den Bäumen. Auf dem Erdboden entdecken wir wieder die sich sonnenden Echsen. Besonders gut hat uns ein kleiner dichter Regenwald gefallen. 

Blütenbaum
Blütenkomposition auf der Erde
Bewohner des Parks: Ibisse auf dem Rasen...
...und auf den Bäumen
Walter-Hill-Macadamia-Gedächtnisbaum
Mächtiger Banyam-Baum
Ausladende Luftwurzeln eines Banyam-Baumes
Hochwassermarkierungen




Auch ein Bewohner des Parks: Water Dragon

Brisbane - Old Government House
Hier residierte früher der Vertreter der britischen Krone - Old Government House

Die obligaten Ess-Stände auf dem Garten-Markt
Brisbane City Botanic Gardens Marktstand
Hier geht es mehr esoterisch zu

Brisbane City Botanic Gardens Ausgabg Parlament
Ausgang des Gartens zum Parlamentsgebäude

Bemerkenswert ist, dass ein Teil der Anlagen auf die Konvikt-Zeit der Vergangenheit Brisbanes zurückgehen. Die aus Sidney verschickten Sträflinge bauten hier ab 1825 Nutzpflanzen zur eigenen Versorgung an. Mitte des 19. Jahrhunderts begann unter dem Kurator Walter Hill die planmäßige Gestaltung als botanischer Garten. Aber auch da spielten Nützlichkeitserwägungen eine Rolle. Hill experimentierte mit Pflanzen, darunter auch solchen von kommerzieller Verwertbarkeit, um zu sehen, ob sie hier angebaut und gedeihen könnten. U.a. hat Hill den Makadamia-Baum und das Zuckerohr in Australien eingeführt. Mit der Gestaltung als botanischer Garten war aber eine Erholungs- und Belehrungsfunktion für die Siedler der Moreton Bay verbunden, wie Brisbane damals genannt wurde. Erst später erhielt die Ansiedlung den Namen „Brisbane“ nach dem Fluss und einem Gouverneur von New South Wales.
Heute sind die Anlagen vor allem ein Ort der Erholung und - nach wie vor - der botanischen Belehrung, aber auch Denkmal der Geschichte Brisbanes und einer frühen europäisch-australischen Gartengestaltung in einer ursprünglich anderen Landschaft.
Am Rande des Parks warfen wir einen Blick auf das „Old Government House“. Das Gebäude wurde 1862 als Amtssitz und Wohnung des Gouverneurs der Kolonie Queensland fertig gestellt, kurz nach der Trennung von New South Wales und der Erhebung Brisbanes zur Stadt. Bis 1909 beherbergte das Gebäude die obersten Vertreter der Krone in Queensland, ehe es in den Besitz der Universität überging. Das Haus ist das älteste öffentliche Gebäude Brisbanes und repräsentativ für den Kolonialstil solcher Bauten.
Nach einem Rundgang durch den Park gelangen wir an einen kleinen Markt mit bunten Waren- und Essenständen. Dagmar kauft für unseren Zwergpudel eine klimatisierende Decke. Angeblich wirkt sie bei Hitze - die das Tier nicht gut verträgt - kühlend. Wir werden bei unserem nächsten Spanienaufenthalt sehen, ob das stimmt. („Locke“ durfte nicht mit uns reisen und verbringt die Zeit bei einem befreundeten Ehepaar.)

 

Historische Gebäude – Erinnerung an die Vergangenheit Queenslands und Brisbanes


Durch ein Tor treten wir aus dem Garten und stehen vor dem „Queensland Parliament“ mit seinem Kolonadenvorbau. Der 1864 begonnene, 168 eröffnete und 1889 fertiggestellte Prachtbau im französischen Regierungsgebäude-Stil ist noch heute Sitz der gesetzgebenden Abgeordnetenversammlung des australischen Bundeslandes Queensland. (Queensland hat ein Ein-Kammer-System.) In den Anfangszeiten der Kolonie überblickte man von den erhöhten und repräsentativen Steinbauten des Parlaments- und Gouverneurshauses eine Ansammlung von bescheidenen Holzhäusern und Ziegelsteinbaracken mit 6000 Einwohnern.

Brisbane Parliament
Das Parlament von Queensland

Wir setzen unseren Weg auf dem „Bicentennial Walkway“ unter der Straßenführung am Flussufer fort, immer unter Beobachtung des regen Fahrradverkehrs. Die großspurige Bezeichnung des Weges und einige farbliche Verschönerungen an den Straßenstützpfeilern können nicht übertünchen, dass auf dieser Seite des Flussufers der Verkehr vor anderen Gestaltungsmöglichkeiten Vorrang hatte.
Wir steigen zu einer Straße empor. Eine Tafel informiert uns, dass wir ein „Historic Precinct“, eine "historische Zone", vor uns haben. Sie besteht aus einer Ansammlung von historischen Gebäuden umgeben von Hochhäusern und modernen Bau-Konglomeraten. Der Kontrast zwischen dem auf die Gegenwart bezogenen pulsierenden Leben und ("amtlich" beförderter) historischer Erinnerung ist in Brisbane auffällig. Die boomende Wirtschaft der Gegenwart hat die Vergangenheit in Nischen verdrängt.  
Aber immerhin: das historische Gebäude, das wir jetzt vor uns haben, macht auch heute noch einen imponierenden Eindruck. Es ist das „Treasury Casino". Das von 1883 bis 1889 im italienischen Neo-Renaissance-Stil errichtete Bauwerk war ursprünglich ein Verwaltungsgebäude der Regierung von Queensland. 

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Der "Bicentennial Walkway"
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Ein Stück Natur in der Betonwüste - eine Mangrove bewahrt das Andenken an das ursprüngliche Flussufer
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Blick auf die "Historische Zone"
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Das imponierende Gebäude des "Treasure Casinos"- das ehemalige Verwaltunggebäude der Regierung beherbergt heute ein Casino

Warum „Treasure“-House? Hier wurde der Anteil des Staates an den „Schätzen“ ("Treasures") verwaltet, die die Bürger erarbeitet oder sonst wie erlangt hatten: Gold, Geld und andere Werte. An diesem Bauwerk wird verschiedenes sichtbar: der Stolz auf das selbständige Queensland, die Orientierung australischer Architekten an europäischen Stilen und Vorbildern. Im Übrigen ist das Gebäude auch ein Erinnerungsort des gesamtaustralischen Patriotismus: von einem Balkon des Hauses aus wurde 1901 die „Federation of Australia“ verkündet, der Zusammenschluss von sechs bisher selbständigen Kolonien auf dem australischen Kontinent zum „Commonwealth of Australia“. Heute wird in dem Komplex auf andere Art und Weise Leuten das Geld aus der Tasche gezogen: er beherbergt ein Hotel, ein Glücksspiel-Casino und diverse Bars, Restaurants, einen Nightclub und Räume für geschäftliche Treffen. 

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"Commissariat Store Museum" - das von Sträflingen erbaute Lagerhaus ist heute Museum (Bild: wiki media commons, Kgbo)

Ein weiteres, wesentlich bescheideneres, historisches Bauwerk ist das „Commissariat Store Museum“. Das ehemalige Lagerhaus geht auf die Konvikt-Zeit zurück und wurde im Grundbestand 1828/29 von Sträflingen erbaut. Es ist das zweitälteste Gebäude Queenlands. Das älteste ist eine ehemalige Windmühle („Old Windmill“) im Wickham Park, die kurz vor dem Storehouse errichtet wurde. (Der Zeitraum der Geschichte der Europäer in Australien ist für unsere Verhältnisse „kurz“!) Die für die Strafkolonie bestimmtem und im Store gelagerten Waren, Kleider, Waffen, Werkzeuge, Nahrungsmittel wurden an einem Schiffsanlegeplatz unterhalb des Storehouses angelandet. Heute beherbergt das Haus Zeugnisse der Konvikt-Zeit und der weiteren Geschichte Queenslands. Ein berühmt-berüchtigtes Ausstellungsstück ist „The Convict Fingers“, ein Fläschchen mit den Überbleibseln eines Fingers. Angeblich schnitten sich Gefangene einen Finger ab, um der harten Arbeit (in Ketten von der Morgen- bis zur Abenddämmerung) zu entgehen. (Über das harte Leben der Gefangenen habe ich bei der Schilderung der Gefängniskolonie Port Arthur auf Tasmanien berichtet.)

Wir setzen unseren Weg fort bis zur Victoria Bridge. Auf ihr hat man ein schöne Aussicht über den Fluss und die beiden Stadtteile, die sie verbindet. Hier geht es zur South Bank hinüber. Das Areal wurde zur Weltausstellung 1988 konzipiert. Die EXPO war ein Wendepunkt in der Geschichte Brisbanes: aus einer verschlafenen Land-Metropole wurde eine „Boom-Town“. Das Südufer umfasst kulturelle Einrichtungen: Museen, Theater, Konzertsäle, Kinos; Freizeiteinrichtungen: einen Sandstrand mit Badesee, ein Riesenrad („The Wheel“), Hotels, Restaurants, Bars, Cafés, die Zweite-Weltkrieg-Fregatte „Diamantina“, Wege unter Palmen und Blütenbögen…Am Wochenende findet ein Kunsthandwerker-Markt statt. 

                                 Blicke von der Victoria Bridge...

...auf das Nordufer
...auf die South Bank ( mit Riesenrad und Performing Art Centre (Konzert, Balett, Theater)
"The Wheel"

Hier auf der South Bank - relaxt Brisbane oder gibt sich dem Kunstgenuss hin. Als Kurzeittourist muss man sich angesichts der Fülle der Angebote entscheiden: was ist einem wichtig. Dagmar und die anderen entscheiden sich dafür, die South Bank hinab zu bummeln, den Markt zu besuchen und eventuell einen Abstecher in die Shopping-Meile Queens Street im CBD zu machen. Ich möchte in das Museums-Viertel gehen. Wir machen eine Zeit aus, in der wir uns im Café der „Gallery of Modern Art“ treffen wollen.

 

Kunsterlebnisse im Museumsviertel


In den knapp drei Stunden, die mir zur Verfügung stehen, absolviere ich ein Mammutprogram. Dem naturwissenschaftlichen und queensländisch-historischen „Queensland Museum“ statte ich nur eine Stippvisite ab. Ausgestopfte Tiere, Saurierskelette, historische Flugzeuge oder der deutsche Panzer „Mephisto“ aus dem Ersten Weltkrieg interessieren mich nicht besonders, da wären die Exponate der Aboriginal People schon interessanter, aber ich muss mit der Zeit haushälterisch umgehen. Ich will die Schwerpunkte meiner Besuche auf die Kunst legen und besuche die „Queensland Art Gallery (QAG)“ und die „Gallery of Modern Art (GOMA)“ (beide abgekürzt: QAGOMA). Der Eintritt in die Museen ist frei.
In beiden Museen mache ich einen Streifzug durch die ältere und moderne australische, südpazifische, asiatische und internationale Kunst. Die Vielfalt ist beeindruckend, ich entdecke ungewöhnliche plastische Werke und Bilder mit großer Aussagekraft. Einen großen Raum nehmen gegenwärtige und ältere Werke von indigenen Künstlern ein. Ich verstehe das als eine Art Wiedergutmachung der grausamen Behandlung, die Queensland den Aboriginal People angedeihen ließ. Die Zeit der durch Gesetz gestützten Diskriminierung liegt noch gar nicht lange zurück. Neben der Kunst ist die lichte Architektur der Räume ansprechend, man hat schöne Ausblicke auf die Museumslandschaft, auf Skulpturen und die andere River Seite mit ihren Hochhäusern.  Ich bringe hier eine Auswahl von Bildern und Plastiken, die mich angesprochen haben, dazwischen einige der Ausblicke.

Bildergalerie Queenland Museum und Kunstmuseeen Qagoma (Text wird nach den Bildern fortgesetzt)

queensland-museum
Eingangsbereich des Queensland Museums: Wale
queensland-museum
Queensland Museum: Saurierskelett

qagoma
Kunstmuseen "Qagoma" - Gebäude

brisbane-gallery-of-modern-art
Gallery of Modern Art: Eingang
brisbane-goma
Gallery of Modern Art: Eingangshalle
brisbane-goma
Gallery of Modern Art: zweites Stockwerk - Blick nach außen
qagoma-nguyen-thai-tuan-bild
Nguyen Thai Tuan, Vietnam: Schwarze Malerei, 1965
Francis Upprichard, Neuseeland, Skulpturen, Lauf, 2015
Gordon Hookey, Aboriginal Künstler, Blut..., 2009
Aboriginal Künstler: Weiß-Waschung
Albert Tucker, Aboriginal Künstler, Moderner Teufel, 1946
Arthur Boyd, Schlafende (Aboriginal-) Braut, 1957/58
Gordon Bennett, Eddie Mabo (Vorkämpfer für Landrechte der Torres-Straight-Insulaner)












, 1996
Wasserspiele





Blick auf Nordufer mit Kurilpa-Brücke
Segas Passi (Torres-Straight-Insulaner), Insel, 2014/15
David Marpoondin, Holzschnitzerei, Camp-Hund, 1968
James Eseli, Krokodil-Kopfschmuck (Tanzbedeckung), 2004
Hermannsburger Malschule: Douglas Kwarlple Abbott, Katatjuta/Die Olgas, 2008
Hermannsburger Töpferei: Rahel Ungwanaka, Eule, 2005
Wandteppich in einem Treppenaufgang (mit arabischen Zeichen)
An Xian, Skulptur, (Buddha-) Maitraya, 2007
Jon Molvig, australischer Spät-Expressionist, Selbstportät, 1948
Tintoretto, Auferstehender Christus, um 1555
Edward Burne-Jones, Aurora, 1896
Außenskulptur
Noch einmal ein Blick auf das Nordufer mit dem Treasure Casino

Nach dem Museums-Walk lande ich angeregt und ermattet schließlich im Café, wo mich die anderen schon erwarten. Wir stärken uns mit einem Imbiss. Der Besichtigungstag ist aber noch nicht zu Ende. Mit einem Taxi fahren wir zurück in unser Apartment, ruhen uns etwas aus und besteigen dann unser Auto. Unser australischer Freund will uns einen Aussichtspunkt zeigen, von dem man ganz Brisbane überblickt. Der Sonnenuntergang dort soll besonders schön sein.

 

Ein Aussichtspunkt – Mount Coot-tha


Über Schnellstraßen geht es durch die Stadt. Schließlich biegen wir in ein grünes Hügelland ein. Wir fahren an dem riesigen Gelände der „Mount Coot-tha Botanical Gardens“ vorbei und befinden uns dann auf einem „Scenic Drive“, einem gewundenen Bergsträßlein, das durch Mischwald führt und gelegentlich Ausblicke auf die Stadt und einen gewaltigen Steinbruch bietet. Nach einer letzten Schleife sind wir fast auf Berghöhe angekommen und stellen unseren Wagen auf einem Parkplatz ab. Die letzten Meter zum „Mount Coot-tha Lookout“ laufen wir (Coot-tha: indigene Sprache „Honig“). Um den Aussichtspunkt gibt es einige Gebäude mit Restaurant, auf der höchsten Erhebung befindet sich ein überdachter Aussichtspavillon. Die Aussicht auf die Stadt, ihre Skyline und das Umland ist wirklich „stunning“ und „awsome“, um die englischen Wörter, die ich um mich herum höre, zu gebrauchen.

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Mount Coot-tha Lookout
Blick hinunter nach Brisbane
Mount Coot-tha: Kookabura im Wald
Sonnenuntergang im Mount Coot-tha Forest

Wir verlassen die belebte Aussichtsplattform, fahren ein Stück zurück und nehmen dann eine Straße in den Wald. Schließlich halten wir an einem kleinen Aussichtspunkt an und blicken in den Wald hinunter, es ist der „Mount Coot-tha Forest“, ein ausgedehnter, ursprünglicher und geschützter Regenwald. Unser Australier hätte gerne mit uns einen Spaziergang auf einem der Tracks gemacht. Er sagt, er finde diesen Wald mit seinen Bäumen, Bächen, Pflanzen, Tieren und der von lokalen indigenen Künstlern geschaffenen Aboriginal-Kunst auf Felsen und Baumresten sehr reizvoll. Aber die Sonne geht schon unter und im Wald ist es bereits dunkel. Wir kehren also mit Bedauern um und erleben den Sonnenuntergang auf dem Lookout.

 

Rundfahrt in Brisbane


Der nächste Tag, ein Montag, ist der letzte Tag unseres Aufenthaltes. Das Flugzeug startet aber erst spät abends. So haben wir noch Zeit für weitere Erkundungen in Brisbane. Diesmal machen Dagmar und ich uns allein auf den Weg, denn unsere beiden Begleiter kennen Brisbane. Wir nehmen wieder die Fähre nach dem CBD und steigen am Riverside Centre aus.  Wir suchen nach einer bestimmten Bushaltestelle, was in dem Getriebe in den Hochhausschluchten gar nicht so einfach ist. Mit Hilfe von einem befragten freundlichen Mitarbeiter eines Reisebüros finden wir die rot beschilderte Haltestelle gleich hinter dem Center, auf der Eagle Street. Das ist eine der Haltestellen der City Loop Busse. Es gibt drei kostenlose Buslinien, die einen durch die Stadt fahren. Zwei umrunden die CBD, eine fährt nach Spring Hill, außerhalb der CBD. Die Busse verkehren von Montag bis Freitag. Wir steigen in einen der roten Busse ein, die die Innenstadt gegen den Uhrzeigersinn umrunden (andere fahren im Uhrzeigersinn.)
Wir fahren an Gebäuden und Plätzen vorbei, die uns neu sind: Central Station (historischer Hauptbahnhof), Anzac Square (mit Kriegerdenkmal-Rotunde), King George Square mit City Hall (Rathaus mit Säulenvorbau und hohem Glockenturm). Auch an einigen sich trotzig unter den Hochhäusern behauptenden Kirchen aus vergangenen Zeiten kommen wir vorbei. Alle diese Stationen zeigen uns historische Gebäude und schöne Plätze mit Denkmälern und Standbildern, umgeben von Hochhäusern.  Wie blicken in den Anfang der Queen Street, die wir noch begehen wollen, dann kommen wir an Stationen vorbei, die wir schon kennen: dem Casino, der Technologie-Universität, dem botanischen Garten in der Stadt. Schließlich landen wir wieder am Ausgangspunkt.
Wir steigen aber nicht aus, sondern fahren noch einmal die Tour bis zur Central Station. Dort suchen wir die gelbe Linie nach Spring Hill. Ich möchte die historische Windmühle sehen, die ich schon erwähnt habe. Erster Stop ist der Postoffice Square (mit dem Haupt-Postgebäude von 1872), dann kommt die Windmühle, die uns ein wenig enttäuscht.
Mit ihrem grauen Überzug zieht sie eher wie ein Turmbunker aus als eine Windmühle. Flügel hat sie auch keine mehr, was ihrer späteren Verwendung als Signalturm mit Zeitball (der zu bestimmter Zeit als Zeitsignal für Schiffer umgekippt wurde), als „Observatory“ und Radio-Sendestation geschuldet ist. Aber sie hat ein für Australien ehrwürdiges Alter und ist zudem ein Zeugnis der Konvikt-Zeit, erbaut von Sträflingen, die bei Windstille die Mahlwerke mit einer Tretmühle in Gang setzen mussten.
Die Fahrt ist hügeliger als die erste, es geht an viel Grün d. h. Parks vorbei, schließlich durch die Vorstadt Springhill mit „Queenslander“-Häusern und  Halt an älteren und neueren Hospitälern, dann wieder zurück zur Central Station. Wir fahren weiter und steigen in der Queen Street aus.
Man hätte natürlich an einzelnen Stationen aussteigen und Gebäude und Plätze näher in Augenschein nehmen können, aber unser Zeitrahmen war begrenzt und so haben wir es bei einem Sicht-Eindruck belassen.  
Auf der „Queen Street Mall“ spazieren wir bis zu dem riesigen Kaufzentrum „Myers Centre“- vielgerühmt, für mich eine „Kaufhölle“. Dann wechseln wir auf die Adelaide Street – auch eine belebte Geschäftsstraße - und gehen zum Fluss hinab.
In den Geschäftstraßen erlebt man das kommerzialisierte Brisbane, Menschenmassen, Geschäfte, Geschäfte…Wir waren nicht auf Shoppen aus und fanden diese Seite Brisbanes nicht besonders attraktiv, solche Geschäftsviertel kennen wir auch von den deutschen und anderen europäischen Großstädten. Glücklicherweise gibt es weiträumige Café-Hallen, in denen man in Ruhe sitzen und leckere Sachen zu sich nehmen kann.
Noch eine Kuriosität, die wir bei den Busfahrten bemerkten: die CBD ist schachbrettartig angelegt. Die in Nordsüdrichtung laufenden „Längsstraßen“ haben weibliche Namen, wohl nach Frauen des britischen Königshauses: Ann, Adelaide, Queen, Elizabeth, Charlotte Street, usw.; die west-östlich verlaufenden „Querstraßen“ tragen männliche Namen: George, Albert, Edward Street. Was man wohl damit sagen wollte?

Am North Quay steigen wir wieder in die Fähre ein und fahren nach Teneriffe zurück.

Hauptbahnhof / Central Station (Bild: wiki media commons Kgbo)
Anzac Square / Kriegergedenkstätte (Bild: wiki Kgbo)

King George Square mit Uniting-Kirche im Hintergrund

Rathaus (Town Hall) am King George Square ( Bild: wiki kgbo)
All-Saints-Kirche (anglikanisch)
Old Windmill Observatory - ältestes erhaltenes Bauwerk Brisbanes ( Bild: wiki Kgbo)
Queen Street Mall (Bild: wiki Kgbo)

Brisbane ist für die meisten Reisenden eine Durchgangsstation: zu den Stränden der Goldcoast, der Sunshinecoast, zum Barrier Reef, in den tropischen Norden. Das war bei unserer früheren Australienumrundung auch so. Obwohl wir auch diesmal nur wenig Zeit hatten und nur einen Bruchteil der ausgedehnten Stadt erkunden konnten, konnten wir wahrnehmen, dass Brisbane eine vielfältige und lebenswerte Stadt ist. Sie bietet viel - und dies für ganz unterschiedliche Bedürfnisse.

Wir haben während dieses relativ kurzen Aufenthaltes in einer begrenzten Region Australiens und einem kurzen Neuseeland-Ausflug viel gesehen und erlebt, vor allem dank unserer kundigen Begleitung. So konnten wir befriedigt, aber wieder auch ein bisschen wehmütig sagen „Catch you later, Australia“, als wir das Flugzeug Richtung Heimat bestiegen.